4 IT-Anwenderverbände fordern Politik auf, fairen europäischen Cloud-Markt zu schaffen

Die vier in Europa führenden IT-Anwenderverbände VOICE, Cigref, Beltug, CIO-Platform Nederlande fordern die europäische Politik auf, den europäischen Cloud-Markt fair zu organisieren. Sie soll unlautere Praktiken der Anbieter wie einseitige Preiserhöhungen, einseitige Veränderungen von Lizenzmetriken und abhängigkeitssteigernde Servicekombinationen unterbinden. Die kommenden EU-Gesetze wie Digital Services Act , Digital Market Act, AI-Act sowie die laufenden Verhandlungen zu einem europäischen Datenschutzrecht eröffnen diese Möglichkeiten.

Unternehmen sind extrem abhängig von Cloud-Anbietern

Organisationen und Unternehmen sind in hohem Maße von ihren Cloud-Anbietern abhängig. Das Ungleichgewicht in den Beziehungen zwischen Cloud-Anbietern und Geschäftskunden führt jedoch häufig zu unlauteren Praktiken. In Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden wurde durch die vier nationalen IT-Anwenderverbände VOICE, Cigref, Beltug und CIO Platform Nederlande immer wieder Praktiken der Provider festgestellt, die auf einen unfairen Umgang der Anbieter mit ihren Kunden hinweisen. So ändern Anbieter einseitig die Preise ihrer Services, sie ändern außerdem willkürlich die Lizenzmetriken, auf denen die Preise basieren und sie kombinieren ihre Services so, dass sich die Abhängigkeit des Nutzers von seinem Anbieter erhöht.

Missbrauch und unlauteren Praktiken ein Ende setzen

Die bevorstehenden EU-Gesetze über digitale Märkte (Digital Market Act), über künstliche Intelligenz sowie das EU-Cloud-Regelwerk und das Datengesetz sowie die Standardvertragsklauseln bieten mehrere Möglichkeiten, diese schlechte Situation für die Anwenderunternehmen zu verbessern.

Deshalb fordern die vier Anwenderverbände die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, die nationalen Regierungen sowie die europäischen und nationalen Regulierungs- und Wettbewerbsbehörden auf, den Cloud—Markt ausgeglichener und fairer zu organisieren.

Vor allem fordern wir:

  • dem Missbrauch der Anbieterbindung und unlauterer Praktiken durch Anbieter digitaler Lösungen und Dienste ein Ende zu setzen und für faire Marktpraktiken auf den Märkten für digitale Technologien zu sorgen.
  • dafür zu sorgen, dass die Kontrolle über die Daten bei den geschäftlichen Nutzern digitaler Technologien verbleibt, ohne dass dies zu zusätzlichen Kosten oder anderen Beeinträchtigungen führt.

Es droht größere Abhängigkeit von Cloud-Providern als früher von den Telekommunikationsanbietern

Unsere Verbände haben die Botschaften an mehrere EU-Vertreter herangetragen. Wir haben auch geprüft, inwieweit die ermittelten Grundsätze in anhängige oder vorgeschlagene europäische Gesetze und Verordnungen aufgenommen werden können.  Wir kommen zu dem Schluss, dass die geplanten Gesetze und Verordnungen diverse Möglichkeiten bieten, den europäischen Cloud-Markt fairer zu gestalten. Vor etwa 30 Jahren brach die EU die Monopole der Telekommunikationsbetreiber auf, weil Europa erkannte, dass mehr Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt viele Möglichkeiten eröffnen würde. Heute droht den Anwenderunternehmen eine sehr viel stärkere Abhängigkeit von ihren Cloud-Providern als damals von ihren Telekommunikationsanbietern. Wir fordern die verantwortlichen Kräfte in der nationalen und europäischen Politik deshalb dringend auf, mit uns die Diskussion aufzunehmen und einen fairen europäischen Cloud-Markt zu gestalten.

Zur Vertiefung der Diskussion haben die vier Verbände VOICE, Cigref, Beltug und CIO Platform Nederlande 11 Prinzipien entwickelt, die einen fairen Cloud-Markt ermöglichen würden. Die 11 Prinzipien finden Sie hier:


 

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