Digital World & Governance: Gutes Augenmaß für das praktisch Umsetzbare

Die gemeinsam von VOICE und Wegweiser gestaltete 3. CIO Convention Digital World & Governance fand am 10. und 11. März 2020 im Berliner Hotel de Rome statt. Obwohl etliche Teilnehmer aufgrund von Reiserestriktionen ihrer Unternehmen kurzfristig absagen mussten, war die zweitägige Konferenz von lebhaften Diskussionen und intensivem Wissensaustausch geprägt. Die rund 100 Vertreter aus Anwenderunternehmen, Behörden und Anbietern sprachen über digitale Souveränität, GAIA-X, Datenschutz, digitales Know-how in den Führungsebenen und über die künftigen Aufgaben von CIOs.

Oliver Lorenz, Managing Partner der Wegweiser Media & Conferences GmbH, begrüßte die Teilnehmer der gemeinsam mit VOICE organisierten Veranstaltung mit einem Hinweis auf die durch den Coronavirus ausgelöste Krise: „Viele Teilnehmer haben uns abgesagt, weil ihre Unternehmen Reise- und Meeting-Restriktionen verhängt haben. Wir haben großes Verständnis für diese Maßnahmen. Gleichzeitig freuen wir uns aber, dass Sie trotz der widrigen Umstände so zahlreich den Weg zur Digital World & Governance gefunden haben.  Das unterstreicht den Stellenwert unserer Veranstaltung.“

Keine Angst, einen Trend zu verpassen

Dr. Hans Joachim Popp, Vorsitzender des VOICE-Präsidiums plädierte angesichts der komplexen Herausforderungen einer digitalisierten Welt für „ein gutes Augenmaß für das praktisch Umsetzbare“. Er appellierte an die Teilnehmer, keine Angst zu haben, irgendwelche Digitalisierungstrends zu verpassen. „Wir sind die Gestalter, und was wir aufbauen, das wird es geben. Was wir nicht wollen, das setzen wir nicht um. Digitalisierung muss der Gesellschaft nützen und nicht die Gesellschaft sich der Digitalisierung unterordnen.“  Popp sieht große Chancen, mit der Digitalisierung den Wohlstand der gesamten Gesellschaft zu erhöhen. Um diese Chancen zu realisieren, müssten allerdings Bedarfe zusammengeführt und Partikularinteressen zurückgedrängt werden.

Zentrales Anliegen digitale Souveränität

Die im Zusammenhang mit der Digitalisierung oft thematisierte digitale Souveränität ist Popp ein zentrales Anliegen. „Handlungsfähigkeit ist für CIOs die Grundlage ihrer Arbeit. Deshalb sind wir froh, dass dieses Thema in Anbetracht der weltpolitischen Lage jetzt viel ernster genommen wird.“ Partnerschaften würden nur dann langfristig und stabil funktionieren, wenn die Partner auf Augenhöhe miteinander umgehen. Der VOICE-Chef befürchtet, dass Deutschland und Europa in den Bereichen Netzwerke, Server und Betriebssysteme, also den Grundlagen für alle künftigen digitalen Technologien, den Anschluss verlieren. „Wer diese Basistechnologien nicht beherrscht, der kann die digitale Welt nicht mitgestalten“, erklärte er. Dabei müsste eine solche Aufholarbeit nicht nur Nachteile für die Verfolger bringen. „Wir bauen auf den vielen Erfahrungen auf Und können deshalb deutlich höher auf der Lernkurve einsteigen.“ Allerdings betonte Popp auch, dass die Unternehmen die dann entwickelten Produkte und Services auch einsetzen müssen. „Nur so können sie die erforderliche Reife bekommen. Das haben wir in der Vergangenheit häufig falsch gemacht“, sagte er selbstkritisch.

GAIA-X – endlich anfangen

GAIA – X, die von der Bundesregierung angestoßene Initiative für eine europäische digitale Infrastruktur hält Popp deshalb für einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung. „Endlich diskutieren wir nicht mehr über Sinn oder Unsinn einer solchen Initiative, sondern wir fangen endlich damit an, eine Cloud-Infrastruktur selbst aufzubauen.“

Das bestätigte sich auch in einer Fachdiskussion zum Thema GAIA-X. Marco-Alexander Breit, Leiter der Stabsstelle Künstliche Intelligenz im BMWi stellte in Aussicht, dass bis Juli dieses Jahres die technischen Spezifikationen vorgestellt und bis Ende 2020 erste marktfähige Elemente von GAIA-X präsentiert werden könnten.

VOICE-Mitglieder mischen kräftig mit

Insgesamt waren neben Dr. Popp zahlreiche VOICE-Mitglieder als Podiumsdiskussionsteilnehmer und Impulsgeber auf der Digital World & Governance vertreten. Helge-Karsten Lauterbach, CIO der Bilfinger SE und Ricardo Sperrle, CIO der Tengelmann Twenty-One KG und Lars Wentorp, CIO der Hamburg Port Authority diskutierten darüber, wie sich digitale Kompetenzen in der Führungsspitze von Unternehmen verankern lassen. Über Lizenzmanagement und seine Untiefen sprachen VOICE-Justiziar Ulrich Bäumer und SAM-Spezialist Dirk Ockel mit den Teilnehmern des Kongresses. Professor Stefan Pickl, kooptiertes VOICE-Präsidiumsmitglied und Inhaber des Lehrstuhls für Operations Research an der Universität der Bundeswehr München erläuterte auf einem Diskussionsforum die Chancen und Grenzen von Künstlicher Intelligenz und der daraus erwachsenden Automatisierungsmöglichkeiten.

Stefan Schumacher, Leiter des Büros Berlin und inhaltlicher Mitgestalter der Digital World und Governance zog folgendes Fazit: „Die Diskussionen waren geprägt von großem Interesse und gegenseitigem Respekt der jeweiligen Gesprächspartner. Wir von VOICE sind immer wieder sehr froh darüber, dass sich Digitalverantwortliche, Politiker und Behördenvertreter so intensiv austauschen. Alle zusammen gestalten die Digitalisierung. Allein schafft das keiner!“

Foto: Wegweiser Media & Conferences GmbH, Simone Neumann