Broadcom/VMware: VOICE reicht Replik ein

VOICE – Bundesverband der IT-Anwender e.V. hat im Rahmen seiner Beschwerde gegen Broadcom/VMware (Case AT.40924) eine detaillierte Replik vorgelegt und seine Position weiter gestärkt. Mit der Replik bekräftigt VOICE, dass das Verhalten von Broadcom aus Anwendersicht wettbewerbswidrig ist.

 

Die bereits im Mai 2025 durch VOICE eingereichte Beschwerde adressiert in erster Linie die Auswirkungen auf IT-Anwenderunternehmen. Im Zentrum steht der Vorwurf, dass Broadcom seine dominante Marktstellung im Bereich Virtualisierungssoftware nutzt, um im Zuge der Umstellung auf Subskriptionsmodelle neue Vertragsstrukturen und Produktbündel durchzusetzen.

 

Parallel bringt die aktuelle Beschwerde des Verbands führender europäischer Anbieter souveräner Cloud-Infrastrukturen (CISPE) zusätzliche Dynamik in das Verfahren. Sie verschärft den Druck auf Broadcom sowie die EU-Kommission, die Entwicklungen wettbewerbsrechtlich zu prüfen. CISPE wirft Broadcom eine gezielte Schädigung des europäischen Cloud-Markts durch restriktive Vertragsbedingungen, deutliche Preissteigerungen und die Kündigung des VCSP-Programms vor.

VOICE: Zentrale Vorwürfe aus Anwendersicht bestätigt

VOICE hat eine detaillierte Replik vorgelegt und seine Position gestärkt:

 

  • Zwangsbündelung bleibt wettbewerbswidrig: Kunden werden gezwungen, Produkte zu lizenzieren, die sie nicht benötigen. Ein Unternehmen, das beispielsweise bisher vSphere Standard nutzte, muss nun das teure VCF-Paket erwerben, inklusive Funktionen, die es nicht braucht.
  • Keine echte Wahlfreiheit („Mix-and-Match“): Lizenzmodelle erzwingen die Nutzung gesamter Paketstrukturen, sodass bestehende, günstigere Setups faktisch nicht weitergeführt werden können. Die Lizenzklauseln erzwingen beispielsweise, dass vSAN nur auf Cores genutzt werden darf, auf denen vSphere aus VCF/VVF läuft. Kunden müssen daher ihr gesamtes vSphere-Umfeld auf VCF/VVF umstellen, auch wenn sie bisher günstigere Editionen nutzten.
  • Ungerechtfertigte Preissteigerungen um bis zu 525 Prozent: VOICE-Mitglieder berichten von erheblichen Preissteigerungen um durchschnittlich 280 Prozent, in Einzelfällen sogar um bis zu 525 Prozent.

 

Zwei Perspektiven, ein strukturelles Problem: Kommission muss jetzt handeln

Die parallelen Beschwerden von CISPE und VOICE zeigen unabhängig voneinander, dass die missbräuchlichen Praktiken eines dominanten Anbieters strukturell entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirken. Vor dem Hintergrund der eingereichten Replik und der zusätzlichen CISPE-Beschwerde fordert VOICE die EU-Kommission auf:

 

  • Ein offizielles Wettbewerbsverfahren einzuleiten
  • Die wettbewerbswidrigen Praktiken von Broadcom umfassend zu stoppen
  • Faire Wettbewerbsbedingungen für IT-Anwender:innen in Europa wiederherzustellen

 

Zitat zur freien Verwendung

„Wir haben unsere Beschwerde mit einer neuen Position untermauert und sämtliche Gegenargumente entkräftet. Durch die aktuelle CISPE-Beschwerde entsteht zusätzlicher Druck und die Hinweise auf strukturelle Wettbewerbsprobleme verdichten sich weiter. Die EU-Kommission muss jetzt handeln.“

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