4. CIO-Erfahrungsaustausch in der Corona-Krise: IT-Helden, Standards und Erfahrungen von Mittelständlern

Am 15.04. lud VOICE seine Mitglieder bereits zum 4. Mal zum digitalen Erfahrungsaustausch in Sachen Corona ein. Rund 60 IT-Entscheider trafen sich ab 18:30 in der ansprech.bar und diskutierten Sicherheitsthemen, Skalierungsfragen sowie erste Ansätze für die Zeit nach der Corona-Krise. Auch die CIOs zweier mittelständischer Unternehmen berichteten von ihren Krisenerfahrungen.

Erfreut zeigten sich die Teilnehmer über die große Wertschätzung, die der IT in den Unternehmen entgegengebracht wird. Viele Mitarbeiter würden zum ersten Mal richtig wahrnehmen, wie wichtig die IT für den Erfolg ihrer Arbeit ist. Einige berichteten davon, dass sie Dankesmails von Mitarbeitern, aber auch aus dem mittleren und höchsten Management bekommen würden.

Standardisierung macht es leichter

Dr. Bettina Uhlich, CIO von Evonik, berichtete in Ihrem kurzen Impulsvortrag wie die IT vorgegangen ist, um die in ihrem Konzern weltweite Infrastruktur für die massiv gestiegene Nachfrage nach mobilen Arbeitsplätzen schnell auszubauen. Mit Hilfe von Providern wurden in den Erdteilen Nord/Südamerika, EMEA und Asien entsprechende VPN Gateways eingerichtet. Evonik war sehr schnell in der Lage, seinen Mitarbeitern weltweit über ihre Dienstlaptops oder private Notebooks Zugang zum interneten Evonik-Netz und den Applikationen zu verschaffen.  Der volle Zugriff ist dabei über eine Smartcard und einen Token abgesichert. Der Zugriff auf zugewiesene Applikationen vom privaten Notebook aus, braucht einen Sicherheitstoken. Nur der Zugang via Smartphone und Tablet benötigt keine zusätzliche Security-Hardware. Allerdings stehen hierüber auch nur Mail, Kalender und persönliche Kontakte zur Verfügung. Bei Breitbandengpässen wird der Zugang je nach Bedeutung der zu erledigenden Aufgaben priorisiert. Frau Uhlich betonte, dass die in der Krise nötigen Maßnahmen sich dank der starken IT-Standardisierung bei Evonik leichter hätten durchführen lassen als in sehr heterogenen Landschaften.

Aus Home-Office werde ganz normales mobile Work

Die Corona-Krise werde laut Dr. Uhlich einiges verändern. Im „New Normal“ werde aus Home-Office ganz normales mobiles Arbeiten, Security werde die Basis für sicheres standortunabhängiges Arbeiten, Collaboration und Vertrauen werden großgeschrieben, Reisen und Kontrolle kleiner. Außerdem werde Standardisierung „business critical“, vor allem bei Skalierungsfragen.

In der anschließenden Diskussion zum Impulsvortrag kamen noch folgende Dinge zur Sprache:

  • Laptops sind zurzeit offenbar schwierig zu bekommen.
  • Die Umstellung aus mobile work hat bei vielen Firmen „ruckelfrei“ funktioniert und führt zu einem hohen Ansehen der IT.
  • Großunternehmen evaluieren zurzeit Systeme, mit denen sich virtuelle Hauptversammlungen abhalten lassen.

Krise zeigt Lücken in der Digitalisierung

Lars-Eric Pusch, CIO von Intersport und Peter Ziegler, CIO der Nürnberger Leasing berichteten aus der Perspektive des Mittelstands über Ihre Erfahrungen in der Corona-Krise. Peter Ziegler sieht sich auch durch die Krise in seinem IT-Kurs bestätigt. Durch die vorangegangene Umstellung auf Office 365 und auf webbasiertes Arbeiten, sei die Umstellung auf mobile working problemlos gewesen. Der Mangel an Laptops war nicht so spürbar, weil die Mitarbeiter problemlos ihre Tiny PCs nach Hause mitnehmen konnten.

Lars-Eric Pusch hatte dagegen schon mehr zu kämpfen. Sein Unternehmen ist eher klassisch organisiert und wies bis zur Krise nur einen kleinen Anteil an mobile Workern auf. Deshalb musste die VPN-Infrastruktur erst aufgebaut und Laptops angeschafft werden. „Zunächst konnten wir gar nicht so viele beschaffen, wie wir brauchen“, berichtet Pusch. Inzwischen nutze man auch MS-Teams, aber noch seien die Administratoren leicht überfordert. „Die Struktur ist noch nicht so klar, wir werden nach der Krise aufräumen müssen“, erklärte er. Insgesamt resümierte er, dass die erste Welle der Mobilisierung geklappt habe. Aber jetzt fielen die Lücken der Digitalisierung auf. Die werde man nach der Krise verstärkt beginnen, zu schließen.