Unternehmen müssen Mitarbeiter im Home-Office besonders unterstützen

Laut Gartner werden auch nach der Corona-Pandemie deutlich mehr Mitarbeiter im Home-Office arbeiten als vor der Krise. Damit mögliche negative Folgen dieser Umstellung verhindert werden können, müssen sich Unternehmen intensiver um ihre remoten Mitarbeiter kümmern. Gartner stellt dazu ein vierstufiges Verfahren vor, dass die Analysten NEAR nennen. Normalize Self-Direction, Enable New Relationships, Accentuate the Positive, Revamp Team Expectations.

In einer Gartner-Umfrage unter 229 HR-Führungskräften gaben fast 50 Prozent der Unternehmen an, 81 Prozent oder mehr ihrer Mitarbeiter würden während der Coronavirus-Pandemie remote arbeiten. Weitere 15% der Befragten gaben an, dass 61-80 Prozent der Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt remote arbeiten. Offenbar sehen viele Arbeitnehmer die Sache positiv. Laut Gartner möchten viele Arbeitnehmern auch in Zukunft aus der Ferne arbeiten. Vor der Krise arbeiteten ca. 30 Prozent der Arbeitnehmer zumindest teilweise remote. Nach der Pandemie erwartet Gartner, dass es etwas über 40 Prozent sein werden.

Höheres Fluktuationsrisiko bei Home-Office-Mitarbeitern

Obwohl Fernarbeiter sehr produktiv sind, scheinen Verwaltungsaufwand und Fluktuationsrisiko viel höher. Gartner-Umfragen weisen darauf hin. Zum Beispiel entwickeln Mitarbeiter, die nicht remote arbeiten eine deutlich höhere Loyalität zu ihrem bestehenden Arbeitgeber.

Im gegenwärtigen Umfeld arbeiten viele Angestellte zum ersten Mal Vollzeit im Home-Office. Das ist auch für das Management neu. Um Unternehmen bei der Verwaltung von Home-Office-Arbeitern während der COVID-19-Pandemie zu unterstützen, entwickelte Gartner das NEAR-Modell. Es umfasst  vier Schritte:

Mehr Aufmerksamkeit des Managements gefragt

Normalisierung der Selbstlenkung. Eine Gartner-Analyse zeigt, dass 40 Prozent der Home-Office-Arbeiter mehr selbstgesteuerte Arbeit wünschen. Manager müssen daher ihren Mitarbeitern vertrauen und weniger die Arbeitsprozesse Schritt für Schritt steuern, sondern die Mitarbeiter coachen. Um dies zu erreichen, sollten sich Manager eher auf die Ergebnisse der Mitarbeiter als auf die Prozesse konzentrieren.

Neue Beziehungen ermöglichen. Andere Umfragen ergaben, dass sich remote Mitarbeiter weniger mit Ihnren Kolleginnen und Kollegen verbunden, ja eine deutliche Minderheit (26%) sich sogar isoliert fühlen. Deshalb müssen Manager intensiver mit den Personalabteilungen zusammenarbeiten, um den Gefühlen von Distanz und Isolation entgegenzuwirken. “Die Organisationen waren sehr pragmatisch und haben sich aus technologischer Sicht gut an die neue Normalität angepasst”, sagte James Atkinson, Vizepräsident in der HR-Praxis von Gartner. “Jetzt müssen Manager einspringen und ihren Mitarbeitern helfen, soziale und emotionale Verbindungen aufzubauen, um sicherzustellen, dass sich der Einzelne mit seinen Kollegen und den Organisationen verbunden fühlt, und um den Teams zu helfen, weiterhin nahtlos zusammenzuarbeiten.“

Heben Sie das Positive hervor. Mitarbeiter, die vollständig remote arbeiten, erhalten fast doppelt so häufig kritisches Feedback zu Dingen, die nicht korrekt gelaufen sind. Um die gegenseitige Kommunikation zu fördern, sollten sich Manager deshalb darauf konzentrieren, Diskussionen mit Mitarbeitern im Home-Office offen, evidenzbasiert und zukunftsorientiert zu gestalten. Manager sollten auch anerkennen, was richtig läuft, und konkrete Beispiele anführen.

Die Erwartungen des Teams neu formulieren. Viele Führungskräfte gehen von Einzelpersonen im Home-Office aus, aber die Gartner-Analyse zeigt, dass remote Mitarbeiter, mit einer 3,5-mal höheren Wahrscheinlichkeit in fünf oder mehr Teams arbeiten. Für Führungskräfte ist  entscheidend, die Mitarbeiter im Home-Office sowohl als Individuum als auch als Team-Mitglied anzusprechen, um die Einzelleistungen für das Team und die Leistungen des Teams insgesamt zu fördern. Deshalb sollte über beides gesprochen werden – die individuellen und die Teamziele.

Gartner empfiehlt Unternehmen, ihre Mitarbeiter im Home-Office intensiv zu begleiten und ihre Erfahrungen ernst zu nehmen. Sonst falle ihnen das bei Wiederöffnung des Arbeitsmarktes in Form hoher Fluktuation schmerzhaft auf die Füße.

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