16. VOICE CIO-Erfahrungsaustausch: digitale Führung – nur für die Krise?

Im virtuellen CIO-Austausch am 08.07.2020 ging es ganz konzentriert um das Thema Mitarbeiterführung in der Corona-Krise und darüber hinaus.

Conny Antoni, Professor for Work and Organizational Psychology an der Universität Trier stellte das Projekt vLead vor, indem die Herausforderungen digitaler Führung und Zusammenarbeit sowie Ansätze und Instrumente zu ihrer erfolgreichen Bewältigung bearbeitetet werden. Es beinhaltet mit OrgaCheck, TeamCheck und dem IdeaCheck drei Tools, mit dem Unternehmen untersuchen können, wie ihre Anstrengungen in der Führung digitaler Teams fruchten. Weitere Infos zu dem Projekt finden Sie hier .

Vertrauen ist Voraussetzung für digitale Führung

Carsten Priebs, CIO bei Randstad Deutschland erklärte Vertrauen zur Grundvoraussetzung für eine funktionierende (digitale) Führung. Er setzt unter anderem darauf, das Engagement und die Zufriedenheit der Mitarbeiter auch in Zeiten von Social Distancing zu messen.  Vertrauen ist Voraussetzung für digitale Führung. Das könne man messen zum Beispiel über den Grad an Mitarbeiter-Engagement. Laut Priebs bedeutet digitale Führung eine sehr offene Informationspolitik. „Wie kann ich als Mitarbeiter vertrauen, wenn ich nicht erfahre, was genau los ist?“ fragt er stellvertretend für seine Mitarbeiter.  Er erzählte, dass er zum Beispiel seine Mitarbeiter alle zwei Wochen in das digitale IT-Management-Meeting einlädt, damit sie ungeschminkt erfahren können, welche Herausforderungen auf sein Unternehmen zukommen und welche davon bewältigt sind. Ebenfalls wichtig ist Priebs zufolge, das emotionale Engagement der Mitarbeiter mit Hilfe von Gamification-Elementen zu fördern. Bei Randstad habe es zum Beispiel eine „Hut-Challenge“ gegeben, in der die witzigste von KollegInnen getragene Kopfbedeckung digital bewertet wurde.

Mit Transparenz muss man leben können

Natürlich sei Offenheit nicht immer einfach, räumte Priebs ein. „Manche Kommentare sind ganz schön krass, aber mit dieser Transparenz müssen wir leben können.“
Darüber hinaus müsse Führung neu lernen zuzuhören und dort, wo es geht, den Mitarbeiterwünschen zu entsprechen. Als Beispiel erzählte Priebs von einer Umfrage, die er unter seinen Mitarbeitern angestoßen hatte, nachdem ihm klar wurde, dass viele das Büro und das Miteinander mit KollegInnen vermissen. Er fragte per Umfrage-Tool, ob sich die Teams jeweils einmal pro Woche physisch zusammenfinden wollten – natürlich mit Abstand und Hygiene-Maßnahmen.
Trotz ihres Wunsches sich wieder öfter zu sehen, lehnten die Kollegen mehrheitlich ab. „Darauf hin, haben wir das natürlich nicht gemacht. Ich habe von den Kollegen kein Mandat bekommen.“ Wenn man das dann trotzdem macht, verliert man stark an Vertrauen. Priebs treiben in Sachen digitale Führung Fragen um, wie gegenseitige spontane Hilfe funktioniert, was mit dem Thema Identität passiert und wie Innovation trotz Social Distancing funktionieren kann.

Experimentierfreude ist ebenfalls gefragt

Jürgen Sturm, CIO der ZF Group hat – obwohl in viel größerem Rahmen – ähnliche Erfahrungen gemacht wie Carsten Priebs. Auch er nannte Vertrauen in die Mitarbeiter, offene Information der Mitarbeiter, ihre Beteiligung und eine gewisse Experimentierfreude als Voraussetzung für funktionierende digitale Führung. Sturm berichtete unter anderem von globalen digitalen Meetings, die weltweit sehr gut angenommen wurden, auch weil sie betreffend des Inhalts und der Durchführung gut vorbereitet waren. Der CIO des Automobilzulieferers sagte deshalb: „Ein digitales Meeting muss mindestens ebenso gut vorbereitet werden, wie ein analoges Meeting, sonst funktioniert es nicht und alle sind enttäuscht.“  Die durch Corona bedingte große Unsicherheit unter den Mitarbeitern weltweit habe ZF durch häufige und sehr verschiedenartige digitale Meetings, Speaches und Webinare zumindest teilweise aufheben können. Trotzdem blieben laut Sturm natürlich noch einige Felder, die noch nicht überall bestellt sind. Mitarbeiter sahen in einer internen Befragung tendenziell folgende Punkte als herausfordernd an:

  • In regelmäßigem Kontakt bleiben mit den KollegInnen
  • Zusammenarbeit innerhalb der Teams und Projekte
  • Informiert bleiben über die Aktivitäten des Unternehmens
  • Selbstorganisation für die Arbeit im Home-Office

Dass ZF technisch vieles richtig gemacht hat in der Corona-Zeit, zeigen folgende Antworten auf eine Mitarbeiterbefragung:

  • besserer Support von Collaboration- und Communications-Tools
  • höhere Leistungsfähigkeit beim Zugriff auf Daten und Files
  • Bessere Arbeit des Service Desk weltweit
  • Informationen über die effiziente Organisation der eigenen Arbeit im Home-Office.

Zum Schluss seines Vortrages sagte Sturm folgenden bemerkenswerten Satz: „Es gibt nichts Gutes an Corona. Aber die Herausforderung hat uns Impulse gegeben, die uns weitergebracht haben.“

Alle Vortragenden und Diskussionsteilnehmer sind sich übrigens sicher, dass digitales Miteinander kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern bleibt.

Nächstes Thema im VOICE CIO-Austausch: Cybersecurity

Am nächsten Mittwoch, den 15.07 findet der digitale CIO-Austausch wieder um 18: 00 Uhr als Teams-Session statt. Dann geht es schwerpunktmäßig um Security. Unter anderem erleben wir die Impulse von Andreas Miehle, CIO von Constantia Flexibles, Iskro Molov, CISO bei GEA sowie von Dirk Ockel, der für VOICE das Cyber Security Competence Center leitet.  Wenn Sie noch nicht VOICE-Mitglied sein sollten und Interesse haben, den CIO-Austausch zu erleben, wenden Sie sich bitte an unseren VOICE-Kollegen Grischa Thoms (e-mail: grischa.thoms@voice-ev.org )