CIO-Erfahrungsaustausch: Aufsichtsräte haben zu wenig Digitalkompetenz

Professor Thomas Hess, Leiter des Instituts für Digitales Management an der LMU München und Adrian Fischer, Managing Partner bei der Personalberatung Heads! International stellten im CIO-Erfahrungsaustausch die Ergebnisse einer Studie vor, die die Digitalkompetenz von Aufsichtsräten in Dax40, MDax, TecDax und Top 50 Unternehmen in Familienbesitz untersucht. Demnach haben lediglich 50 Prozent der Unternehmen digitale Expertise im Aufsichtsrat. Gegenüber der letzten Untersuchung im Jahr 2018 hat sich dieser Wert zwar um 31 Prozent verbessert. Aber angesichts der Bedeutung des Themas für die Veränderung der Arbeit und der Geschäftsmodelle sind 50 Prozent Digital-Expertise im Aufsichtsrat ein eher bescheidener Wert. Der Studiendefinition zufolge verfügt ein Aufsichtsrat dann über ein Minimum an Digitalkompetenz, wenn er entweder

  • ein ausgewiesener Experte für das Thema Digitalisierung ist oder
  • ein einschlägiges Studium der Informations- oder der E-Technik absolviert hat oder
  • Erfahrung als Manager in Digitalunternehmen aufweist oder
  • Gründer oder Investor in digitalem Start-up ist.

Dabei geht es für Aufsichtsräte hinsichtlich Digitalisierung im Wesentlichen um zwei Themen: die unternehmerischen Potenziale der Digitalisierung erkennen und die Frage nach den richtigen Systemen und Infrastruktur. In seiner Tätigkeit als Besetzer, Kontrolleur und Berater des Vorstandes muss sich ein Aufsichtsrat deshalb mit den Themen IT-Betrieb, IT-Strategie, IT-Organisation und Digital-Strategie bzw. Transformations-Strategie auseinandersetzen.

Am wenigsten Digitalkompetenz in Familienunternehmen

Am schwächsten im Aufsichtsrat ausgestattet sind der Studie zufolge die großen Familienunternehmen. Hier haben nur 28 Prozent Digitalexpertise im Aufsichtsrat. Bei Dax40- und MDax-Unternehmen sind es immerhin 60 bei TecDax-Firmen sind es 73 Prozent. Insgesamt betrachtet die Studie 170 Unternehmen und 1204 Aufsichtsräte. Aus Personensicht haben nur 12 Prozent der Aufsichtsräte Digitalkompetenz.

Im Cybersecurity-Update des CIO-Erfahrungsaustauschs führte VOICE-Security-Experte Dirk Ockel aus, dass die Hackergruppe Lapsus$ 37 Gigabyte Sourcecode von Microsofts Cloudsystem Azure exfiltriert hat. Betroffen seien Repositories von Azure, Bing und Contana.

Security-Update: Neue Browser-in-the-Browser-Angriffe

Auch die Anonymus war tätig und hat Rosneft Deutschland angegriffen. Außerdem ging Ockel kurz auf die Warnung des FBIs ein, die einen großen Cyberangriff auf kritische Infrastrukturen in den USA befürchten. Auslöser der Warnung waren verstärkte Ausspäh-Aktivitäten russischer Hackergruppen.

Im Bereich der Sicherheitswarnungen machte Ockel auf neuartige Browser-in-the-Browser-Angriffe aufmerksam, die schwer detektierbar sind. Diese Art der Angriffe tarnen Pishing-Attacken.

Wardley Maps mit Pionieren, Siedlern und Stadplanern

Im WissensNugget präsentierte Professor Ayelt Komus, was Pioniere, Siedler, Stadtplaner Wardley Maps und die Rockgruppe Dire Straits miteinander zu tun haben. Der Zusammenhang ist ziemlich einfach. Einige Zeilen im Song „Telegraph Road“ der Dire Straits beschreiben laut Komus ziemlich genau, was hinter den Persönlichkeitsbeschreibungen Pionier, Siedler, Stadtplaner steckt, die Simon Wardley in seinen berühmten Maps benutzt. Diese Wardley Maps werden häufig eingesetzt, um die richtigen Leute für bestimmte Aufgaben zu finden, beziehungsweise um Gruppen mit verschiedenen Persönlichkeiten zu besetzen. Laut Wardley ist

  • der Pionier jemand, der sehr gut mit Neuem und viel Unsicherheit sowie ständiger Veränderung zurechtkommt. Er eignet sich zum Beispiel für Situationen, in denen neue Unternehmen gegründet oder neue Produkte entwickelt werden. Sein Vorgehen kann mal als agil bezeichnen. Schnelligkeit ist ihm wichtig.
  • Der Siedler ist jemand, den man gut in Wachstumsphasen einsetzen kann. Er hat die Profitabilität im Sinn. Er kümmert sich darum, die Dinge stetig zu verbessern, gibt Feedback und ist gut im Erkennen von Trends. Sein Vorgehen kann man mit „lean“ beschreiben. Er ist ein Erfolgsermöglicher.
  • Der Stadtplaner schließlich ist jemand, der sich in reifen Marktumfeldern wohl fühlt, in denen es um hohe Volumina geht und stabile und standardisierte Produkte. Er ist sehr effizient und orientiert sich stark an Messzahlen. Seine Methoden sind Six Sigma und eine starke Tendenz zu Plänen.

Laut Wardley eignen sich die unterschiedlichen Persönlichkeiten auch für unterschiedliche Projektphasen. Pioniere sind am Anfang von Projekten in der Ideen- und Explorationsphase gut eingesetzt. Siedler eigenen sich gut für die ersten Reife- und Wachstumsphasen und die Townplaner für die reiferen Phasen.

Der nächste CIO-Erfahrungsaustausch findet am Mittwoch, den 30.03.2022 um 18:00 Uhr statt. Sie können sich jederzeit hier anmelden https://survey.zohopublic.eu/zs/W2hqLd  oder sich beim Kollegen @Grischas Thoms melden, wenn Sie auch als Nichtmitglied dabei sein möchten.

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