Neues aus dem SAP Lizenzdschungel

Die Zeichen verdichten sich, dass SAP im Frühjahr 2019 mit der nunmehr dritten Variante ihres Nutzungsmodells „digital access/indirekte Nutzung“ die Unzufriedenheit der Anwenderunternehmen und die von VOICE geäußerten rechtlichen Bedenken zerstreuen will. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Stefan Autengruber, Managing Director der Licence Ethics GmbH und zehn Jahre lang Commercial Director in SAPs Pricing-Abteilung, in seiner Analyse der aktuellen SAP Preisliste (PKL), die er im aktuellen E-3 Magazin vorlegt. (Das E-3Magazin ist ab dem 26.11.2018 im Handel und kann auch als E-Paper bezogen werden.) Dem gelernten Juristen und intimen Kenner der SAP-Lizenzstrategie ist nämlich in der aktuellen PKL ein Produkt aufgefallen, dass es (noch) nicht gibt: Der „SAP OpenHub for S/4 HANA“. Diese neue Position in SAPs PKL ergibt laut Autengruber nur dann Sinn, wenn SAP sein Lizenzmodell der indirekten Nutzung nochmals verändert. Weg von einer dokumentenbasierten Abrechnung hin zu einer transaktionsorientierten. Somit würde jeder externe Programmzugriff unter Lizenzpflicht gestellt, der reine Datenaustausch bliebe aber lizenzfrei, spekuliert Autengruber im E-3 Magazin. Diese Variante des Modells dürfte den Anwender deutlich preiswerter kommen als das bisher geplante auf Dokumenten basierende Abrechnungsmodell.
Wie auch immer die SAP ihr neues Lizenzmodell für indirekte Nutzung ausgestaltet: SAP dürfte vor allem aufgrund der Kartellbeschwerde von VOICE kalte Füße bekommen haben. In einem juristischen Gutachten, das die internationale Rechtsanwaltskanzlei Osborne Clarke für uns erstellt hat, wurde dem SAP-Modell für indirekte Nutzung und im April 2018 auch für dessen zweite Variante, die sich dann auf digital access/indirekte Nutzung bezog, Rechtswidrigkeit attestiert.
Daraufhin hat die SAP offenbar ihre Pricing-Spezialisten und Juristen zum Nachsitzen geschickt, um eine neue dritte Variante zu entwickeln, die auf weniger Gegenwehr von IT-Anwendern und ihrem Interessensverband VOICE stößt. Und die auch nicht das Kartellamt auf den Plan ruft.
Ob das neue Modell schließlich den deutschen und europäischen Gesetzen entspricht, werden sicher nicht nur wir überprüfen, sondern hoffentlich auch das Bundeskartellamt! Sicher ist indes schon eines: Wenn die SAP von VOICE mit stichhaltigen Argumenten unter Druck gesetzt wird, dann bewegt sie sich auch. Ob weit genug, bleibt abzuwarten. Wir von VOICE wollen jedenfalls, dass die SAP zugunsten der IT-Anwender in Bewegung bleibt und deshalb werden wir weiter Druck machen.