Digitalgipfel 2018: VOICE begrüßt die Idee vom KI-Airbus

Obwohl die Erwartungen in den Digitalgipfel gering waren, setzten die Protagonisten klare Botschaften: Kein einzelnes europäisches Land kann KI in großem Stil allein; es gilt möglichst alle Bürger mitzunehmen; ein KI-Airbus wäre wünschenswert. 

Einmal, weil bei den zahlreichen vorangegangenen IT-Gipfeln auch nur wenig Konkretes herauskam und zum anderen, weil die kürzlich von der Bundesregierung veröffentlichte KI-Strategie dem Schwerpunkt des Gipfels das Überraschungsmoment genommen hat.

Dennoch hat der Gipfel – übrigens wieder einmal in erster Linie ein Gipfel der Digital-Anbieter nicht der -Anwender – aufhorchen lassen, weil er klare Botschaften transportierte:

Botschaft 1 wurde praktisch von allen Sprechern und Diskussionsteilnehmern formuliert: Kein einzelner europäischer Staat kann in der gleichen KI-Gewichtsklasse kämpfen wie USA und China. Das kann nur Europa als Ganzes, wenn es seinen Binnenmarkt, seine Forschungs- und seine Industrieexpertise in die Waagschale wirft.

Botschaft 2 stammt von Kanzlerin Angela Merkel: Damit KI und Digitalisierung für Unternehmen und Bürger erfolgreich gestaltet werden können und die Gesellschaft nicht in digital Reiche und Arme gespalten wird, müssen alle mitgenommen werden. Das könne funktionieren, wenn wir es schaffen, die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft in die digitale Welt zu übertragen.

Botschaft 3 kam von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: Er forderte einen Airbus für KI. Damit meint er den Aufbau eines europäischen strategischen Industrieakteurs, der ähnlich wie der Anfang der 70er Jahre gegründete Flugzeugbauer Airbus zu einem starken Marktspieler werden und den US-Playern und chinesischen Staatskonzernen Paroli bieten kann.

Damit würde Europa – zumindest aber Deutschland und Frankreich – in Sachen Digitalisierung und KI eine sehr aktive Industriepolitik betreiben, die seine Interessen gegenüber den USA und China verdeutlicht und durchsetzbar macht.

Darüber hinaus würde ein solcher KI-Airbus den Fokus auf die Entwicklung von Produkten und Services legen und damit das gravierendste Defizit in Europa zumindest minimieren: Die fehlende Umsetzung von Grundlagenforschung in Produkte und Services.

Gleichzeitig zöge der KI-Airbus hochkarätige Wissenschaftler und Praktiker an oder würde sie zum Bleiben bewegen. Er könnte ihnen in Bezug auf Honorare und Forschungsmöglichkeiten ähnliches bieten wie Amazon, Google, Tencent oder Alibaba.

Altmaier berichtete, dass er für die Idee des KI-Airbus in den letzten Monaten in Unternehmenskreisen wirbt und damit auf große Zustimmung gestoßen sei. Es ist wirklich zu wünschen, dass ein solcher europäischer Player schnell gegründet werden kann, als eine Arbeits- oder Aktiengemeinschaft, an der sich europäische Schwergewichte auf Anbieter als auch auf Anwenderseite mit Kapital, Wissen und Kooperationsbereitschaft beteiligen können. Damit würden die europäischen Unternehmen endlich selbst ernsthaft ins vernetzte Zeitalter einsteigen, von dem sie bisher hauptsächlich geredet haben. Auch sie müssen einsehen, was jetzt auch den meisten europäischen Ländern aufgegangen ist: Sie sind jedes für sich genommen zu klein, um im globalen Maßstab auf Augenhöhe mit den ganz Großen mitzuhalten. Das geht nur gemeinsam.

Wenn dieser Anstoß zur konkreten KI-Kooperation umgesetzt wird, dann hat der Digitalgipfel 2018 nicht nur die Erwartungen übertroffen, sondern war auch der bisher wichtigste seiner Art.