CEBIT – Ende mit Ansage

Die CEBIT wird eingestellt. Bereits im kommenden Jahr findet die Messe nicht mehr statt. Die Deutsche Messe AG begründet ihren Schritt mit rückläufigen Flächenbuchungen und nachlassendem Interesse. In der Pressemitteilung heißt es: „Das neue Konzept der CEBIT, das auf den Dreiklang aus Messe, Konferenz und Festival setzte, konnte den Abwärtstrends der Besucherzahlen nicht stoppen. Da auch der Negativtrend bei den Flächenbuchungen über alle Themensegmente hinweg nicht aufgehalten werden konnte, werde die CEBIT künftig nicht mehr ausgerichtet.“ Die Hannoversche Allgemeine liefert zum rückläufigen Interesse in Ihrem Bericht  konkrete Zahlen: „Nur 6000 Quadratmeter konnten den Angaben zufolge bisher vermietet werden – zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres war die gebuchte Fläche noch dreimal so groß.

Damit ist der letzte große IT-Branchenevent in Deutschland Geschichte. Das ist bedauerlich, aber aus Sicht der Veranstalter nachvollziehbar. Sie können sich ein defizitäres Event dieser Größenordnung nicht leisten. Es ist außerdem müßig, jetzt über das im letzten Jahr eingeführte neue Konzept zu streiten. Es war absolut einen Versuch wert, das überkommene CEBIT-Konzept grundlegend zu erneuern. Den einzigen Vorwurf, den man den Machern machen kann ist der Zeitpunkt: Die Erneuerung kam deutlich zu spät. Die Erosion der CEBIT hatte bereits vor über zehn Jahren begonnen. Man war zu zögerlich und hat zulange mit mehr oder weniger kosmetischen Korrekturen versucht, den Niedergang zu verlangsamen.

Die von VOICE vertretenen Digital-Entscheider in Anwenderunternehmen werden die CEBIT wohl in erster Linie als Treffpunkt vermissen. Im Executive Club, den VOICE in den vergangenen zwei Jahren mitgestaltet hat, trafen sich CIOs und Digitalverantwortliche und tauschten sich während ihres Messebesuchs aus.

Doch der eigentliche Messebesuch war für sie kein Muss mehr.  Wie die Messeleitung in ihrer Pressemitteilung richtig schreibt, werden IT und Digitalisierung immer weniger horizontal diskutiert, sondern erfuhren in den letzten Jahren eine immer stärkere Branchenausrichtung. Daher rührt auch der Boom des Digitalen auf der Hannover Messe Industrie.

Ob diese Vertikalisierung der IT und Digitalisierung allerdings richtig ist, darf angesichts des Wandels traditioneller Märkte und Branchen durchaus angezweifelt werden. Branchendomänen lösen sich zunehmend auf. Wir leben, wie Henning Meyer, Geschäftsführer der Social Europe Publishing & Consulting GmbH, in einer Gastkolumne der Süddeutschen Zeitung schrieb, in einer „360⁰-Grad-Ökonomie“, in der IT-Kompetenz – unabhängig von der Branchenzugehörigkeit – einen zentralen Erfolgsfaktor darstellt. Leicht zu erkennen daran, dass VW sehr eng mit Microsoft kooperiert oder dass sich Bosch und Siemens zunehmend als Softwareanbieter aufstellen.

Allerdings bleibt bisher ungeklärt, ob oder wie eine Veranstaltung schlüssig und attraktiv die Schlüsselkompetenzen Digitalisierung und IT branchenübergreifend abbilden kann. Sicher ist nur, die CEBIT hat es nicht geschafft. Wirklich schade!